Schulsozialarbeit in Schriesheim

Veröffentlicht am 29.03.2012 in Gemeindenachrichten

In der vergangenen Woche wurde das Thema Schulsozialarbeit im Gemeinderat behandelt. Leider wurde die Schaffung einer Schulsozialarbeiterstelle mit 14 zu 13 Stimmen abgelehnt. Wir Jusos möchten hier dennoch nochmals unsere Position darlegen.

Es wurde bei der Antragsstellung (siehe Artikel der Grünen Liste im vergangenen Mitteilungsblatt) und auch in der uns vorliegenden Stellungnahme des Jugendgemeinderats dargelegt, weshalb eine Schulsozialarbeiterstelle sinnvoll ist. So weist der Jugendgemeinderat darauf hin, dass es „unweigerlich einen sozialen Brennpunkt darstellt, wenn 1500 Schüler verschiedener Altersstufen und Bildungsniveaus aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Umfeld aufeinandertreffen“ Es ist eine Illusion zu glauben, dass es solche sozialen Brennpunkte nur in den Großstädten gibt und die Welt auf dem „Land“ noch in Ordnung ist.

Herausheben aus dem Pool der möglichen Aufgaben der Schulsozialarbeit möchten wir deshalb nochmal die Schaffung von gezielten und angemessenen Angeboten, Maßnahmen und Hilfen um individuelle Benachteiligungen und soziale Beeinträchtigungen bei Schülerinnen und Schülern zu vermeiden, abzubauen, auszugleichen.
Es ist fast genau 3 Jahre her, dass in Winnenden ein 17 Jähriger Amok lief und 15 Menschen tötete. Auch dort hätte man nicht geglaubt, dass so etwas in ihrem noch beschaulichen Winnenden passieren könnte. Es mag ein Extrembeispiel sein. Sollte aber verdeutlichen, dass gewisse Dinge präventiv verhindert werden könnten.

Aufgabe der Schulsozialarbeit ist es in Zusammenarbeit mit der Schulleitung, den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern, Fehlentwicklungen bereits im Vorfeld entgegenzusteuern bzw. den Jugendlichen neue und hilfreiche Handlungsspielräume und Handlungsalternativen zu eröffnen.
Wichtig ist hierbei vor allem auch die Präsenz vor Ort. Der Jugendgemeinderat hat darauf hingewiesen, dass es eine Anlaufstelle im Schulzentrum geben muss an die die Schüler sich bei Problemen und Fragen wenden können. Ein eigener Raum, der regelmäßig besetzt sein sollte. All dies kann zeitlich gar nicht von unserem Jugendsozialarbeiter geleistet werden, da dieser nun mal hauptamtlich für die offene Jugendarbeit angestellt ist.

So hat die SPD und auch die Jusos, die sich vor 1 Jahr nochmal ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben, schon immer gesagt, dass es falsch ist die Stelle des offenen Jugendsozialarbeiters so zu konzipieren, dass er auch die Schulsozialarbeit mit leistet. Das ist für 1 Stelle einfach nicht machbar und so musste die offene Jugendsozialarbeit in Schriesheim in den vergangenen Jahren immer unter dieser Fehlkonzeption leiden.
Deshalb glauben wir, dass das neue Schuljahr auch der optimale Zeitpunkt gewesen wäre um einen Schulsozialarbeiter einzustellen und so die nötigen Freiräume für den neuen Jugendsozialarbeiter Herrn Lautenschläger zu schaffen, der bis dahin vermutlich bereits ein gutes Konzept für die offene Jugendarbeit haben wird, welches Ihn komplett eingenommen hätte.

Schulsozialarbeiterinnen bzw. Schulsozialarbeiter bringen Kompetenzen mit, die Lehrerinnen und Lehrer in der Regel während ihrer Ausbildung nicht vermittelt bekommen.
Schulsozialarbeiterinnen bzw. Schulsozialarbeiter begleiten und unterstützen als kompetente und vertrauenswürdige Partner die Schülerinnen und Schüler auf vielfältige Art und Weise in ihrem schulischen Alltag. Dadurch sind sie ein wichtiger Bestandteil schulischen Arbeitens.

In mehreren Erfahrungsberichten bzw. Zeitungsinterviews (z.B. in Eich bei Alzey oder Winden im Elztal), heißt es, dass sich seit der Einführung eines Schulsozialarbeiters der Schulalltag spürbar entspannt habe, da die Lehrer nicht mehr alles selbst auffangen müssten. Die Lehrer seien froh, dass ihnen ein Schulsozialarbeiter zur Seite stehe, auf den sowohl Kinder als auch Eltern bei Problemen zurückgreifen können.

Neben der sozialen Komponente ist die Schulsozialarbeit aber auch aus finanzieller Sicht eine sinnvolle Investition in die Zukunft. Wenn mit ihrer Hilfe Jugendlichen bei der Bewältigung einer Problemsituation bzw. bei der Schaffung neuer Perspektiven geholfen wird, können Desintegration und Perspektivlosigkeit mindestens verringert werden. Durch die so vermiedenen Folgekosten von Jugendkriminalität und Arbeitslosigkeit werden die Investitionen in die Schulsozialarbeit weit überkompensiert.

Selbst Schwarz-Gelb lernt immer wieder dazu. So hat die schwarze-gelbe Landesregierung in Schleswig Holstein gerade aktuell beschlossen – vorausgesetzt einer Wiederwahl - die Mittel für Schulsozialarbeit von 1,7 Millionen Euro im laufenden Jahr auf jährlich 4,7 Millionen im Haushalt ab 2013/2014 zu erhöhen.

Die Forderung des Verbandes für Realschullehrer in Rhein Land Pfalz, dass für jeweils 100 Schüler ein Schulsozialarbeiter beschäftigt werden sollte, hielten auch wir für übertrieben. Sie zeigt aber ganz gut was für einen Minimum hier eigentlich gefordert wurde. Nämlich 1 Schulsozialarbeiter für rund 1500 Schülerinnen und Schüler.

Marco Ginal für die Jusos Schriesheim-Dossenheim

 

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